Wie alles anfing

Seit einigen Jahren trage ich den Gedanken an eigene Bienen schon mit mir herum. Beim wichtigsten Grund muss ich nicht lange nachdenken, das ist natürlich der Honig. Ich bin halt ein Naschkater. Kürzlich traf ich einen Biologen, der fand vor allem das Sozialverhalten der Bienen faszinierend und hatte aus dem gleichen Grund bereits Ameisen gehalten. So weit würde meine Faszination für die staatstragenden Insekten dann doch nicht gehen, ja ich wage zu vermuten dass es ausgesprochen wenige Imker geben würde, wenn die Bienen statt süßem Honig, sagen wir, nach Popeln schmeckenden grünen Schleim hergeben würden.

Imkerei war lange ein klassisches Altherrenhobby, und mit meinen 31 Jahren hätte ich bis vor Kurzem kaum in die Imkerszene gepasst. Gerade scheint sich der Trend jedoch umzudrehen: Mehr junge Leute strömen in die Vereine, und zwar sowohl Männer als auch Frauen. Imkern in der Stadt ist ebenfalls voll im Trend. Das hat irgendwas von „selber machen“, ich reihe es jedenfalls in die ganzen Handarbeitsläden, Mikrobrauereien und Kaffeeröstereien ein, die sich in den Städten ausbreiten. Zwar fragte sich der „Freitag“ am Beispiel New Yorks, ob urbanes Imkern wirklich was mit der Umwelt zu tun habe oder bloß hip sei, aber so richtig sehe ich den Widerspruch nicht.

Dieses „selber machen“ hat für mich durchaus seinen Reiz, aber meine Versuche, im eigenen Garten Kartoffeln anzubauen, hatten mehr was von einem schlechten Zaubertrick: Zehn dicke Kartoffeln eingegraben und Monate später fünf kleine ausgegraben. Houdini würde sich im Grabe umdrehen. Was liegt also näher als andere die Arbeit machen zu lassen, in diesem Fall die Bienen! Ich meine, die sind schon abgefahren: Ein staatenbildendes Insekt, das in scheinbarer Anarchie gewagte Konstruktionen hinbekommt und gleichzeitig so simpel wie unergründlich ist. Und nebenbei gerade keinen Popelschleim, sondern leckeren Honig herstellt! Außerdem sind die Bienen trotz aller Züchtungen zur Sanftmut wilde Tiere geblieben – wahrscheinlich steckt auch darin ein Teil des Geheimnisses der Imkerei-Renaissance in den Städten, dass man sich mit etwas beschäftigt das man gerade nicht bis ins Detail kontrollieren und steuern kann.

Faszination und Interesse sind also vorhanden, nur mit dem Einstieg in die Imkerei hatte es bislang nicht bei mir geklappt. Zwar habe ich mir Fachliteratur besorgt, mich an Bienenständen u.a. im Ökowerk umgesehen und ein paar Mal anderen Imkern bei der Varroabehandlung und beim Honigschleudern geholfen. Doch zu eigenen Bienenvölkern konnte ich mich noch nicht durchringen. Irgendwas sprach immer dagegen: Entweder war ich zu sehr in der Arbeit versunken und habe erst im Sommer daran gedacht, dass ich das Imkern ja gerne richtig lernen wollte. Oder es waren schon längere Reisen für Frühling und Sommer geplant, was gerade für den Anfang eher ungünstig war. Oder mir fehlte ein Imkerpate, der mir alles live und in Farbe beibringt. Doch in diesem Jahr passte alles: Für Reisen war weder Zeit noch Geld da, mein Interesse an den Bienen ist nun seit Jahren vorhanden (und scheint auch nicht mehr wegzugehen, im Gegenteil), und Honig esse ich nach wie vor liebend gerne.

Nun habe ich keine Lust, allzu weite Wege zurückzulegen und von Kreuzberg aus zum Beispiel in den Süden Neuköllns oder den westlichen Stadtrand zu fahren. Ich hätte es gerne um die Ecke, weil Imkerei für mich ein spannendes Hobby, aber zeitlich im Rahmen bleiben soll. Schließlich muss ich meine Doktorarbeit in einem Jahr fertig haben, ich will mit meiner Familie Zeit verbringen, Dortmunds fantastische Champions League-Saison in meinen Kreuzberger Lieblingskneipen bejubeln, Freunde treffen und ab und an Sport treiben. Wahrscheinlich bin ich damit typisch für die von Marc-Wilhelm Kohfink (bzw. jemandem aus dem Imkerverein Tempelhof) so bezeichnete „neue Imkerszene“.

Am Ende wurde es dann doch April, bis ich mich um alles gekümmert hatte. Meine erste Befürchtung war: Damit bin ich ja fast wieder etwas zu spät dran, schließlich sind die ganzen Einführungskurse alle schon im März angelaufen. Aber mit einem netten Imkerpaten und dem angelesenen Vorwissen sollte das doch machbar sein, und selbst wenn ich die erste Frühjahrspflege nicht live mitbekommen habe, sowas kann ich ja auch nächstes Jahr nachholen. Also habe ich Kontakt zu einem netten Imker im Interkulturellen Garten am Gleisdreieck-Park aufgebaut, der mich unter seine Obbhut nimmt. Genau genommen sind es sogar zwei, die sich, wie das für Imker typisch ist, gerne einmal widersprechen weil jeder so seine eigene Philosophie hat.

Letzten Sonntag war mein erster Tag am Bienenstand, wo fünf Völker stehen und dieses Bild einer Drohnenwabe im Wildbau entstanden ist:

blog-2013-04-27-drohnenwabe-mit-koenigin

War gar nicht so leicht, die Königin darauf zu finden 🙂 Morgen gehe ich wieder hin und bin gespannt, was ich dann sehen werde!

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