Welche Beute?

Bald kommen meine ersten Bienen. Ich weiß noch nicht woher, aber das ergibt sich schon: Let future Me deal with it. Zuvor muss ich mich ohnehin entscheiden, worin mein künftiges Kleinvieh leben und arbeiten soll.

Mit dieser scheinbar einfachen Frage bin ich mittendrin in einem der heißesten Themen, das die Imkerei-Zunft zu bieten hat. Zumindest wirkt das so, wenn man sich beispielsweise die Einträge zum Thema „Bienenbeuten“ und „Betriebsweisen“ im Imkerforum durchliest. Gerade im deutschsprachigen Raum ist eine unüberschaubare Vielfalt an unterschiedlichen Systemen historisch gewachsen und bis heute nicht vereinheitlicht worden. Da gibt es die unterschiedlichsten Maße: Zander und Langstroth, Deutsch Normal und Herold, Dadant und Dadant modifiziert, Segeberger Beuten und was noch alles mehr. Dazu gibts manche dieser Typen noch in Halb-, Zwei-Drittel- oder Anderthalb-Ausführung. WTF?

Dabei ist die Sache eigentlich ganz einfach: Bienen können in allen möglichen Hütten prima leben, von einem hohlen Baumstamm über einen Spalt in der Felsenhöhle bis zu all den unterschiedlichen „Beuten“ oder „Magazinen“, die Imker im Lauf der Zeit entwickelt haben. Geht alles, vor allem wenn man Imkerei als Hobby betreibt und sich um ein paar Kilo Honig mehr oder weniger nicht schert. Die Entscheidung könnte also ganz einfach sein. Ist sie aber nicht, denn als hochgezüchtetes Doktoranden-Gehirn hinterfrage ich alles und habe am Ende so viel Informationen gesammelt, dass ich mich kaum noch entscheiden kann. Über alles nachdenken zu müssen kann folglich Nachteile haben.

Nehme ich nun einen Beutentyp, der regional weit verbreitet ist, kann ich zwar eher günstig gebrauchten Beute erstehen, mir Ableger (also kleine Bienenvölker) besorgen und schneller Tipps zum besten Umgang mit den Bienen einholen. Aber dafür bin ich schon auf eine Betriebsweise festgelegt, die mir vielleicht nicht so gut gefällt. Die Alternative ist, mich anhand von Büchern, Blogs und Gesprächen mit anderen ImkerInnen für eine mir eher zusagende Art der Bienenhaltung zu entscheiden. Dafür habe ich möglicherweise weniger Ansprechpartner und somit Hilfe vor Ort, muss die Betriebsweise eher theoretisch erlernen und dann eigenständig ausprobieren, und an neue Bienenvölker komme ich vielleicht nicht so leicht heran. Wie ein früherer Mitbewohner von mir mal lakonisch in anderem Zusammenhang anmerkte: „Es hat eben alles Nachteile.“ Trotzdem muss eine Entscheidung her.

Also vielleicht von der anderen Seite her an die Sache rangehen? Was für eine Art Bienenhaltung möchte ich gerne betreiben? Ich bin ja so eine Art Halbtags-Öko, deshalb sprechen mich Dinge wie Naturwabenbau an. Ein Beispiel für eine neuartige Form der Haltung, die darauf setzt, ist die Bienenkiste. Eine langgezogene Holzkiste, in der die Bienen vorne munter ihr Brutnest bauen und hinten irgendwann Honig anlagern können. Um am Volk zu arbeiten, kippt man die ganze Kiste über Kopf auf die Stirnseite und nimmt den Boden ab. Hier in Berlin gibt es auch die oder den einen oder anderen BienenkistlerIn, so dass ein Netzwerk zur gegenseitigen Unterstützung vorhanden wäre. Das schien mir alles recht eingängig und praktikabel zu sein, bis ich anfing über Sachen zu lesen wie die mit Wachs-Mittelwänden zu bestückenden Honigraumrahmen, die man hinter dem Brutnest einhängt, das Losschneiden und Versetzen des Holzschiedes und noch einiges mehr. Dazu kam der Preis von knapp 250 Euro für eine zusammengebaute Kiste, so dass ich am Ende den Eindruck hatte, dann kann ich auch gleich mit Magazin imkern.

Meine nächsten Gedanken gingen somit wieder zurück zu einem klassischen System. Jedem Magazin-Typ liegt eine eigene Philosophie zugrunde, es hat entsprechende Abmessungen und damit individuelle Vor- und Nachteile. Nicht so sehr für die Bienen, die wie gesagt mit allem möglichen klarkommen können, sondern vor allem für die Imker. Bei manchen Beuten hat man zwei kleinere Bruträume, die man anders managen muss als einen großen. Manche Beuten haben große Honigräume, die sich langsamer füllen und dann auch mal 35kg wiegen, während andere kleiner und damit leichter zu tragen sind. Mit schweren Gewichten habe ich jetzt nicht so ein Problem – bis mir einfiel, dass ich nur mit einer Aluleiter durch die Dachluke zu den Bienen komme. Also vielleicht doch was Handliches!

Letztlich stehe ich vor der Frage, welche Betriebsweise mir am ehesten liegt. Ich muss diese Frage dummerweise beantworten, bevor ich sie alle durchprobiert habe.Knifflig. Im Moment gehe ich so vor: Mit meinem Imkerpaten lerne ich die Arbeit am Bienenvolk auf dem Zandermaß mit zwei Bruträumen. Gleichzeitig lese ich mich durch Literatur, Blogs und Foren und überlege mir, was mir wohl am ehesten gefallen und womit ich gut klarkommen würde. Da gefällt mir ein einziger großer Brutraum besser, in dem ich die Bienen dann am liebsten ihre eigenen Waben bauen lassen würde.

Leichtere Honigzargen und ein großes Brutnest – mit diesen Ideen bin ich dann auf das Dadant-Format gekommen. Da gibt es hilfreiche Anleitungen zur Betriebsweise, zum Beispiel hier von Rainer Schwarz. Das lese ich jetzt erstmal durch, und dann sehe ich weiter. Die größte Schwierigkeit sehe ich ohnehin im finanziellen Bereich. Zwei Dadant-Beuten vom BWMK würden mich in Vollausstattung nämlich stolze 450 Euro kosten. Unbezahlbar also, zumindest bei meinem jetzigen Budget.

Dann bastle ich mir vielleicht doch lieber einen Top Bar Hive? Der ist näher am Magazin als die Bienenkiste und deutlich günstiger zu bauen. Könnte mir gefallen!

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