Bienenschwärme und die Berliner Feuerwehr

Die hohe Zahl von Neuimkerinnen und -imkern in Berlin mit ihren experimentellen Beuten und innovativen bis waghalsigen Betriebsweisen führt zu lebhaften Diskussionen in der Imkerszene. Im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit steht dabei unter anderem die Schwarmkontrolle.

Manch erfahrene ImkerInnen fürchten, dass allzu sorglose Neulinge bei ihren im Mai und Juni schwarmtriebigen Völkern zu viel Lässigkeit an den Tag legen oder das Schwärmen sogar ganz bewusst als Teil einer naturgemäßen Bienenhaltung unbeaufsichtigt geschehen lassen könnten. In der Folge würden nicht nur zahlreichere Bienenschwärme anfallen, sondern diese auch seltener wieder eingefangen werden. Entweder nisten diese Bienen sich dann in irgendeinem Schornstein ein und werden im Spätherbst, wenn die Heizsaison beginnt, aus ihrem Bau vertrieben. Oder sie finden ein besseres Versteck, werden dort aber wegen der fehlenden Behandlung gegen die Varroa-Milbe im Folgejahr zur Parasiten-Schleuder. Spätestens wenn dem Volk wegen des Milbenbefalls der Zusammenbruch droht und ein hungernder Notschwarm auszieht, um sich in anderen Bienenvölkern einzubetteln, hat man es als nichtsahnender Imker plötzlich mit in die Höhe schnellenden Varroa-Zahlen im eigenen Stock zu tun.

Unabhängig von solch mittelfristigen Problemen birgt unkontrolliertes Schwärmen auch ganz akute Risiken. Eines kommt zum Tragen, wenn sich der Schwarm in freudiger Suche nach einer neuen Nistmöglichkeit auf dem nächsten Spielplatz zwischenlogiert und von dort aus seine Späherinnen ausschickt. Wenn nun kein Imker in Sichtweite ist, tun besorgte Eltern das einzig naheliegende: Sie rufen die Feuerwehr.

Hier beim Lösch- und nicht beim Bieneneinsatz: Die Berliner Feuerwehr (Quelle: Wikipedia)

Hier beim Lösch- und nicht beim Bieneneinsatz: Die Berliner Feuerwehr (Quelle: Wikipedia)

Bei einer theoretisch möglichen, stark zunehmenden Zahl von Feuerwehr-Einsätzen wegen Bienenschwarm-Invasionen auf Spielplätzen könnte aus dem latenten Konflitpotenzial zwischen boomender Neuimker-Szene und boomender Neueltern-Szene im Lauf der Zeit eine ganz handfeste Konftrontation entstehen. Daran kann niemand ein Interesse haben, weshalb ein verantwortungsvoller Umgang mit dem Schwarmtrieb der Bienen so wichtig ist. Auf dem letzten Kreuzberger Imkertreff war die Mehrbelastung der Feuerwehr als einer der vielen Gründe gegen das „Schwärmen lassen“ aufgeführt worden. Bleibt die Frage: Muss die Feuerwehr häufiger ausrücken, weil Bienenschwärme immer öfter die Schaukel für sich beanspruchen, oder ist das alles nur ein hypothetisches Szenario?

Darauf lässt sich keine ganz klare, wohl aber eine ungefähre Antwort geben. Es scheint zumindest in den vergangenen drei Jahren so gewesen zu sein, dass wir ImkerInnen den Schwarmtrieb ganz gut im Griff haben. Das heißt, dass wir ihn entweder erfolgreich unterdrücken, wie es bei konventionellen Imkern üblich ist und beispielsweise von Lisa Schwab auf dem Dach des Nachbarschaftshauses in der Urbanstraße praktiziert wird, oder ihn erfolgreich kontrolliert geschehen lassen, was bei Heinz Risse im Prinzessinnengarten der Fall ist

Dies zumindest legt eine Antwort der Senatsverwaltung für Inneres und Sport auf eine Kleine Anfrage des Piraten-Abgeordneten Christopher Lauer (PDF) nahe. Lauer hatte gefragt, wie viele Tierrettungseinsätze die Berliner Feuerwehr seit 2010 durchgeführt hat. Im öffentlichen Gedächtnis sind dabei vor allem spektakuläre Hunde-Rettungsaktionen geblieben, wie sie auch dieser Beitrag im Tagesspiegel aufführt. In der Antwort der Senatsverwaltung werden nicht nur Rettungen von Tieren in Notlagen, sondern auch Einsätze wegen durch Tiere ausgelöster Gefahren aufgelistet. Und hierzu würden Bienenschwärme zählen, wenn jemand sich von ihnen bedroht fühlt. Die folgenden Zahlen sind mit etwas Vorsicht zu genießen, denn leider wurde nicht im Einzelnen die Zahl der Einsätze wegen Bienenschwärmen erfasst, sondern einfach alles zusammengezählt. Aber die Tendenz scheint klar: Bislang haben wir NeuimkerInnen die Feuerwehr nicht übermäßig auf Trab gehalten.

Zunächst einmal ging die Zahl der Alarmanrufe zurück. Insgesamt wurde 1.848 Mal im Jahr 2010 alarmiert, gefolgt von 1.420 Mal ein Jahr darauf und 1.381 Mal im Jahr 2012.

Ebenfalls zurück ging die Zahl der Einsätze, die auf Hilfeleistung in der Kategorie „Tiere / Insekten“ entfiel. Waren es noch 996 Einsätze im Jahr 2010, sank dies auf 760 Einsätze 2011 und stieg zuletzt wieder leicht an auf 780 Einsätze 2012.

Die große Diskrepanz zwischen Alarmierungen und Einsätzen erklärt sich mit einer hohen Zahl von Erkundungs- oder Fehleinsätzen. Sprich: Bei jedem zweiten Anruf sparte sich die Feuerwehr den Weg oder fuhr nur hin, um nichts vorzufinden was weitere Aktivitäten rechtfertigen würde.

Ehrlich gesagt, überrascht mich die zurückgehende Zahl von Einsätzen bei gleichzeitig deutlich steigender Zahl von ImkerInnen in Berlin. Ich hätte was anderes erwartet. Zwar lässt sich nach den vorliegenden Zahlen nicht ausschließen, dass sich nicht doch möglicherweise in der Statistik zunehmende Bienenschwarm-Einsätze verstecken. Aber vielleicht sind das ja generell so wenige, dass es gar nicht ins Gewicht fiele. Und außerdem müssten dann alle anderen mit Tieren zusammenhängenden Einsätze noch stärker zurückgegangen sein, wofür ich aber keine Anhaltspunkte gefunden habe.

Kurzum: Bisher haben wir ImkerInnen der Feuerwehr keine schlafosen Nächte bereitet. Arbeiten wir daran, dass das auch so bleibt!

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