Muss der Winter kalt sein, um Bienen vor Varroa zu schützen?

Nach dem letzten, sehr milden Winter war es ein Gemeinplatz unter Imkerinnen und Imkern, dass die hohen Temperaturen für die Bienenvölker ein Problem darstellen dürften. Bienen hören auf zu brüten wenn es kräftig friert, und eine Brutpause ist immer auch eine Vermehrungspause für die Varroa-Milbe. Wenn der Winter nun warm ist, brüten viele Völker durch – was nicht nur der Varroa bessere Vermehrungsbedingungen bietet, sondern überdies Winterbehandlungen wie die mit Oxalsäure weniger wirksam werden lässt, da sie nicht in verdeckelte Brut hinein wirkt. Die allgemeine Vermutung war nun, dass in diesem Sommer sicher eine extrem hohe Varroabelastung festzustellen sein dürfte, gerade auch im Vergleich zum vergangenen eher harmlosen Jahr.

Zwar habe ich direkt bei meiner ersten Bienenprobe, die ich immer mit dem Puderzucker-Schüttelbecher mache, mit 24 Milben einen starken Befall vorgefunden. Doch je mehr meiner Völker ich durchsuchte, um so mehr relativierte sich dieses erste Ergebnis. Im Mittel hatte ich bis jetzt 12-14 Milben pro Probe, was laut Schadenstabelle für den Juli noch im Mittelfeld ist und eine „Behandlung in nächster Zeit“ erforderlich mache. Ich muss auf der Hut sein, aber bloß keine Panik, heißt das. Das hat mich etwas überrascht, da ich durchgehend mit sehr schwerem Varroa-Befall gerechnet hatte.

Vielleicht stimmt ja etwas an der Winter-Theorie nicht? Einen Hinweis darauf habe ich in einer Präsentation gefunden, die am 7. April auf einer Veranstaltung zur Bienengesundheit der Europäischen Kommission gehalten wurde. Marie-Pierre Chauzat von ANSES, einer französischen Regierungsbehörde für Lebensmittel und Umwelt, hat darin die Winterverluste in Europa grafisch dargestellt und ein deutliches geografisches Muster festgestellt.

Honebeyy-colony-winter-mortalityEuropa ist von Nord nach Süd dreigeteilt: Südliche Länder mit milder Witterung haben durchschnittliche Winterverluste von unter 10%, zentral gelegene Länder liegen zwischen 10% und 20%, und nördliche Länder mit kalten Wintern haben Verluste von über 20%. Auch wenn es geografisch hineinpasst, fällt Großbritannien am ehesten klimatisch aus diesem Muster heraus, da zumindest in England die Winter kaum der Rede wert sind. Doch dessen ungeachtet scheint ein kalter Winter die Überwinterung deutlich schwerer zu machen, während ein warmer Winter den Bienen eher gut tut. Sicherlich hat das auch was mit klimatisch angepassten Bienen und anderen Faktoren wie längeren Blühperioden und einer an die Klimaverhältnisse angepassten Varroa-Behandlungstrategie zu tun, aber die einfache Gleichung warmer Winter = höheres Risiko für die Bienen geht so nicht auf.

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