Schwitzen mit Zuckersirup

Das wichtigste Arbeitsgerät in der Bienenhaltung, so hat es der Berliner Berufsimker Marc-Wilhelm Kohfink mal gesagt, ist weder der Stockmeißel noch der Smoker. Es ist der Wischlappen, mit dem man die ganzen klebrigen Flecken wieder wegmacht, die bei Honigernte und -verarbeitung entstehen.

Nie habe ich so sehr verstanden was er damit meinte wie gestern Abend.

apiinvert-eimer

Sollte eigentlich genug aushalten: Ein Apiinvert-Eimer mit 14kg Futtersirup und Henkel zum Tragen.

Ein hungriges Bienenvolk sollte nach erfolgter Varroa-Behandlung einen ordentlichen Futterschub bekommen. Dafür hatte ich den Tag über 14 Liter Biozucker mit Wasser in einem Profi-Futtereimer von Api-Invert angerührt. Diese Eimer haben einen Deckel mit kleinen Löchern, und man kann den Eimer umgekehrt einem Bienenvolk auf den Kopf stellen, so dass die Arbeiterinnen gemütlich Sirup aus den Löchern nuckeln können. Außerdem haben die einen Henkel, der eigentlich kräftig genug sein sollte, um das Gewicht eines vollen Eimers auszuhalten.

Ich also gestern Abend mit meiner Tochter aufs Dach, „Komm wir füttern mal schnell die Bienen!“, Schleier und Wasserflasche raufgeschafft und dann den Futtereimer hinterher. Auf der letzten Stufe der Leiter zur Dachluke reißt der Henkel erst auf der einen, dann auf der anderen Seite. Wie in Zeitlupe zieht die Schwerkraft an dem vollen Eimer, zerrt ihn nach unten wo er aufprallt. Den Deckel hat es runter, der Sirup spritzt in hohem Bogen herum, und ein Tsunami an klebrigem Zuckerwasser ergießt sich über den Hausflur im 6. Stock unseres Hauses.

Das Zeug fließt die Treppe zum 5. Stock runter, in den Fahrstuhlschacht hinein, Spritzer sind bis einen Meter hoch an der Wand und ich stehe mittendrin. Malou tut ihr Übriges und spaziert, die Leiter vom Dach flugs wieder heruntergeklettert, mit klebrigen Füßen bis in unsere Wohnung, während ich damit beschäftigt bin die Sirupflutwelle im Zaum zu halten. Schnell einen Wischeimer mit heißem Wasser und Lappen nach oben gebracht, den größten See vom Weiterfließen abgehalten, wieder nach unten in die Wohnung um neues Putzwasser zu holen und schon die Rufe meiner Frau gehört: „Iieh, hier klebt ja alles!“

Nach 2 Stunden putzen, wischen, nachwischen und nochmal drübergehen hatte ich den Klebetsunami endlich beseitigt. Zwischendurch noch in zwei 5kg-Joghurteimern neuen Sirup angerührt, die Bienen brauchten ja was zu futtern! Die habe ich dann in der Dunkelheit oben reingestellt. Das eigentliche Füttern war eine Sache von 2 Minuten. Völlig verschwitzt zurück in die Wohnung, die ich inzwischen auch schon doppelt gewischt hatte, und erstmal Luft holen. Puh!

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Ein Gedanke zu “Schwitzen mit Zuckersirup

  1. Als hätte uns der Beekeeper nich extra draufhingewiesen, sei froh das es dir nich aufem Dach passiert is sons hättet ihr jetzt 6 Völker weniger.
    Trotzdem mein Mitgefühl, ein Alptraum.
    Dietmar

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