Warum sterben die Bienen? Neue Studie verbindet zentrale Faktoren

Es gibt eine Vielzahl von Studien, die versuchen den einen entscheidenden Faktor für den Rückgang an Wildbienen-Populationen ausfindig zu machen. Das, so argumentiert eine neu erschienene Studie (hier als PDF) einer Gruppe von Autoren um den englischen Biologien Dave Goulson, ist aber vielleicht ein Holzweg. Vielmehr sei es gerade das Zusammenspiel verschiedener Faktoren, die für den Rückgang der Artenvielfalt von Bestäubern verantwortlich zu machen seien. Auf Englisch sind die zentralen Punkte des Artikels nebst einem Interview schön zusammengefasst bei vox.com.

Nun sind Studien, die auf multifaktorielle Ursachen eines komplexen Geschehens verweisen, nicht selten ein umständlich formuliertes Eingeständnis dafür, dass man die tatsächlichen Faktoren eben noch nicht genau kennt. In diesem Fall jedoch sind die drei wesentlichen Probleme, die in Diskussionen über das Bienensterben immer wieder auftauchen, so kausal miteinander vekrnüpft worden, so dass ich geneigt bin das für eine ziemlich plausible Synthese zu halten.

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Bienensterben? Das sagen die FAO-Statistiken

Wenn ich an einem Infostand stehe, kommt unweigerlich früher oder später das Stichwort „Bienensterben“. Jede und jeder hat schonmal davon gehört, aber nicht immer scheint klar zu sein wo eigentlich wie viele Bienen und warum angeblich sterben. Ich habe mir mal die Mühe gemacht und in die amtlichen Statistiken der Food and Agriculture Organisation of the United Nations, kurz FAO, hineingeschaut.

Mit deren Online-Statistiktool kann man sich Daten zu zahlreichen landwirtscahftlich genutzten Tier- und Pflanzenarten herunterladen oder gleich grafisch anzeigen lassen, und das habe ich für Bienenvölker getan. Der Blick auf die Daten der in Rom ansässigen Organisation birgt einige Überraschungen. So hat sich die Zahl der imkerlich genutzten Bienenvölker weltweit deutlich erhöht. In dieser Grafik sind alle Daten von 1973 bis 2013 enthalten. Man sieht eine kleine Delle um 1990, als die Sowjetunion zerfiel, aber bis 2000 waren die Zahlen wieder auf dem alten Niveau und sind seither deutlich gestiegen. 2013 wurden 81,03 Millionen Bienenstöcke gemeldet, verglichen mit 70,71 Millionen im Jahr 2000 und 55,3 Millionen im Jahr 1973.

numberofbeehives-1973-2013-worldDa stellt sich die Frage: Warum reden alle Menschen übers Bienensterben? Offensichtlich haben wir kein weltweites Problem mit imkerlich gehaltenen Bienenvölkern, sondern vielleicht ein regionales?

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Bio-Zucker

Seitdem ich imkere, achte ich sehr viel mehr auf alles, was blüht und fliegt. So viel mehr, dass ich mich manchmal schon wie ein alter Öko-Schrat fühle. Und das ist nicht nur eine Selbtsbeschreibung: Wenn ich mit meiner Familie spazieren gehe, fange ich oft nach wenigen Minuten wie automatisch an, irgendetwas über die Bäume im Park oder die Blumen am Straßenrand zu erzählen. Das wurde anfangs neugierig, inzwischen jedoch zunehmend routiniert mit einem etwas befremdlichen Blick aufgenommen. Seit Neuestem kommt noch ein knapp gemurmeltes „Schrat!“ dazu. Ich entschuldige mich dann und rede meist einfach weiter, ich habe ja schließlich einen neugewonnen Ruf zu verlieren.

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Besser für Bestäuber: Lebensmittel aus Bio-Anbau.

Eine weitere Folge ist, dass ich wieder viel konsequenter Bio-Lebensmittel einkaufe. Da hatte sich über die Zeit so eine ungesunde Schludrigkeit eingeschlichen. Doch ich kann ja schlecht hier in Berlin für blühende Landschaften eintreten und mit meinem Konsum hinter den Stadtgrenzen genau das Gegenteil befördern. Schließlich ist Bio-Landwirtschaft sehr viel besser für Bestäuber, weil sie weitgehend auf Pestizide verzichtet und blühende „Un“kräuter wie Kornblumen in Maßen zulässt. Wenn die Bio-Bauern was draufhaben, lassen sie auch Feldränder unbearbeitet und lassen ein paar Hecken stehen, was den Wildbienen Futter und Nistmöglichkeiten bietet.

Meine Konsequenz hatte aber Grenzen, und so hielt ich den Kauf von Bio-Zucker als Winterfutter für die Bienen für einen sehr teuren und nicht wirklich nötigen Spaß. Ich dachte mir, ich mache doch schon so viel wesensgemäßes für die Bienen, schließlich lasse ich die ihre Waben im Naturbau bauen, beschneide meinen Königinnen nicht die Flügel, lasse die Völker auch Drohnen aufziehen, versuche so wenig wie möglich gegen die Varroa zu behandeln, und wenn dann nehme ich natürlich nur die organischen Säuren und nicht irgendwelche anderen Mittel. Kurz: Ich mache schon fast alles, was man für eine Bio-Imkerei machen muss, außer eben auf die Bio-Herkunft des Zuckers für das Winterfutter zu achten.

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Pestizide schwächen Immunsystem der Bienen

Bienen müssen sich einer Vielzahl von Krankheitserregern erwehren, darunter sind wie bei uns Menschen einige fiese Viren. Solange unser Immunsystem intakt ist, sind die meisten der täglich auf uns einprasselnden Viren kein Problem. Ist unsere Abwehr aber bereits geschwächt, dann haben die Erreger leichtes Spiel. Folglich sterben die meisten Todesopfer der Immunschwächekrankheit AIDS an Sekundärinfekten, denen das durch das HI-Virus angegriffene Immunsystem nichts mehr entgegenzusetzen hat.

Ganz ähnlich läuft das auch bei den Bienen. Ein gesunder Bienenstock wird mit allerlei Erregern fertig, wehe aber wenn die Abwehrkräfte geschwächt sind! Von den Varroamilben weiß man bereits, dass ihr Blutsaugen gar nicht mal den größten Schaden im Volk anrichtet, sondern die Viren die sie dabei übertragen. Für die berüchtigten Neonicotinoide, eine Gruppe relativ neuartiger systemisch wirkender Pestizide, hat nun eine Forschergruppe herausgefunden, dass sie die Immunabwehr von Honigbienen stark beeinträchtigen kann.

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