Neues Zuhause für den Schwarm

Wenn man einen Schwarm eingesammelt hat, stellt sich spätestens in dem Moment, in dem er in einem kühlen und stillen Raum abgestellt worden ist, die Frage wohin damit. Bei mir war die Antwort leicht: Anfang April habe ich zusammen mit Eduard, einem Imker aus Spandau, eine Bienen-AG an der Fanny-Hensel-Grundschule gestartet. Diese teilt sich mit der Clara-Grunwald-Grundschule, die meine Tochter besucht, einen Hort für die Nachmittagsbetreuung. Das Konzept war schon lange fertig, die Bestellung in Form einer Liste der benötigten Materialien zum Imkerladen geschickt, was fehlte waren Bienen!

Eigentlich wollten wir Ableger unserer Völker an die Schule bringen und zusammen mit den Kindern aufstellen. Aber da ich nun mal einen Schwarm in der Waschküche stehen hatte, musste es trotz der aufgrund der Osterferien abwesenden Kinder schnell gehen. Ich habe also eine der vorhandenen Dadant-Beuten vorbereitet, die Rähmchen mit Anfangsstreifen gefüllt und den Bienenstand provisorisch eingerichtet. Eduard kam auf die Idee, den Schwarm über ein Brett einlaufen zu lassen – ich hätte den ja einfach unten in die Beute reingeworfen, nachdem ich einen leeren Honigraum unter den Brutraum gestellt hätte. Aber so sah es natürlich sehr viel cooler aus!

Nach knapp zwei Stunden war alles vorbei und der große Schwarm erfolgreich eingezogen. Gestern war einiger Flugbetrieb, es scheint ihnen also gut zu gehen. Nächsten Montag werden die Kinder zum ersten Mal den Schleier überstreifen, und dann gucken wir mal rein ob die Bienen auch ordentlich Waben bauen!

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Schwarmfang

Eine Osterüberraschung der besonderen Art erreichte mich Montag Abend per Telefon. In Friedrichshain sei ein Bienenschwarm an einer Häuserwand, im Hochparterre und mit einer Leiter sicher gut erreichbar. Die beiden Schwarmfänger des Kreuzberger Imkervereins waren im Urlaub, also habe ich das Lastenrad gesattelt, Schleier und Schwarmfangkiste eingepackt und bin hin!

Der Schwarm hing schön an der Ecke eines Küchenfensters und bereitete sich offensichtlich auf die bevorstehende Nacht vor, jedenfalls war um 19 Uhr nur noch wenig Flugbetrieb zu sehen.

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Kleine Medienkunde

Am 3. Juli hatte sich ein Bienenschwarm an einer Tramhaltestelle in Berlin-Mitte niedergelassen. Irgendein Bienenhalter hatte nicht richtig aufgepasst, weg war er. Die Damen ließen sich auf der Suche nach einem neuen Zuhause auf dem Asphalt nieder, bis ein zufällig vor Ort befindlicher Imker den Schwarm kurzerhand einfing. Was schrieben die Zeitungen? Die Berliner Morgenpost titelte noch recht neutral: „Bienenschwarm am Rosenthaler Platz belästigt Tram-Fahrgäste“. Etwas aufgeregter schon die BZ: „Brummer-Alarm: Hier warten 30.000 Bienen auf die Tram.“ Der Kurier hyperventiliert bereits: „Panik in Mitte: Bienen-Invasion am Rosenthaler Platz“. Doch erst die Bild lässt das Blut so richtig spritzen: „Angriff mitten in der City: Bienenschwarm fällt über BVG-Haltestelle her!“

Schwärme sind zwar ausgesprochen friedlich, doch an einer Tram-Haltestelle mit viel Publikumsverkehr könnte sogar die friedlichste Biene ungehalten werden. Wie schlimm war es? Ausgerechnet die Bild zitiert BVG-Sprecherin Petra Reetz mit den Worten: „So wurde offenbar niemand gestochen.“ Kein einziger Stich? Und was ist mit der „Panik“, dem „Angriff“ und der „Invasion“? Das sah ungefähr so aus:

Hier sieht man die entspannten Imker dabei, den Schwarm einzusacken:

Beängstigend! Die Reaktion der Schundmedien sollte trotzdem Anlass genug sein sich ins Bewusstsein zu rufen, dass Bienenschwärme in der Stadt problematisch sein können.

Bienenschwärme und die Berliner Feuerwehr

Die hohe Zahl von Neuimkerinnen und -imkern in Berlin mit ihren experimentellen Beuten und innovativen bis waghalsigen Betriebsweisen führt zu lebhaften Diskussionen in der Imkerszene. Im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit steht dabei unter anderem die Schwarmkontrolle.

Manch erfahrene ImkerInnen fürchten, dass allzu sorglose Neulinge bei ihren im Mai und Juni schwarmtriebigen Völkern zu viel Lässigkeit an den Tag legen oder das Schwärmen sogar ganz bewusst als Teil einer naturgemäßen Bienenhaltung unbeaufsichtigt geschehen lassen könnten. In der Folge würden nicht nur zahlreichere Bienenschwärme anfallen, sondern diese auch seltener wieder eingefangen werden. Entweder nisten diese Bienen sich dann in irgendeinem Schornstein ein und werden im Spätherbst, wenn die Heizsaison beginnt, aus ihrem Bau vertrieben. Oder sie finden ein besseres Versteck, werden dort aber wegen der fehlenden Behandlung gegen die Varroa-Milbe im Folgejahr zur Parasiten-Schleuder. Spätestens wenn dem Volk wegen des Milbenbefalls der Zusammenbruch droht und ein hungernder Notschwarm auszieht, um sich in anderen Bienenvölkern einzubetteln, hat man es als nichtsahnender Imker plötzlich mit in die Höhe schnellenden Varroa-Zahlen im eigenen Stock zu tun.

Unabhängig von solch mittelfristigen Problemen birgt unkontrolliertes Schwärmen auch ganz akute Risiken. Eines kommt zum Tragen, wenn sich der Schwarm in freudiger Suche nach einer neuen Nistmöglichkeit auf dem nächsten Spielplatz zwischenlogiert und von dort aus seine Späherinnen ausschickt. Wenn nun kein Imker in Sichtweite ist, tun besorgte Eltern das einzig naheliegende: Sie rufen die Feuerwehr.

Hier beim Lösch- und nicht beim Bieneneinsatz: Die Berliner Feuerwehr (Quelle: Wikipedia)

Hier beim Lösch- und nicht beim Bieneneinsatz: Die Berliner Feuerwehr (Quelle: Wikipedia)

Bei einer theoretisch möglichen, stark zunehmenden Zahl von Feuerwehr-Einsätzen wegen Bienenschwarm-Invasionen auf Spielplätzen könnte aus dem latenten Konflitpotenzial zwischen boomender Neuimker-Szene und boomender Neueltern-Szene im Lauf der Zeit eine ganz handfeste Konftrontation entstehen. Daran kann niemand ein Interesse haben, weshalb ein verantwortungsvoller Umgang mit dem Schwarmtrieb der Bienen so wichtig ist. Auf dem letzten Kreuzberger Imkertreff war die Mehrbelastung der Feuerwehr als einer der vielen Gründe gegen das „Schwärmen lassen“ aufgeführt worden. Bleibt die Frage: Muss die Feuerwehr häufiger ausrücken, weil Bienenschwärme immer öfter die Schaukel für sich beanspruchen, oder ist das alles nur ein hypothetisches Szenario?

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