Die FAO verbessert ihre Daten. Ein bisschen.

Vor einiger Zeit hatte ich darüber geschrieben, dass die Statistiken der Vereinten Nationen, genauer der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO), über die weltweit gehaltenen Honigbienen offensichtlich fehlerhaft sind. Ich hatte damals sowohl die zuständige Stelle in Rom als auch das Bundeslandwirtschaftsministerium angeschrieben, um auf die Fehler hinzuweisen.

Von der FAO habe ich eine eher launische Antwort erhalten:

Despite the census of hives being mandatory in many countries, the information about these is often insufficient and imprecise. The situation is aggravated by the particular characteristics of sector: scattered sector, heterogeneity of business stakeholders, differences in geographical area and others.

The determination of the consistency and structure of the beekeepers has never been easy and the same research institutes consider beekeeping only on the occasion of the general censuses of agriculture, which very often do not respond to the necessities of consistent data collection in the beekeeping sector. Mostly, they include only part of the producers in the agricultural sector, being farmers as well.

Nevertheless, as improving the quality of the database is part of the general FAO policy of continuous data quality improvement, any suggestions aimed at upgrading the quality of the data is welcome.

Vom BMEL hingegen kam folgende Replik:

Für Ihren Hinweis auf Abweichungen der Daten zu Bienenvölkern zwischen der Statistik des Deutschen Imkerbundes und dem statistischen Jahrbuch des BMEL einerseits und der Agrarstatistik der FAO anderseits möchten wir uns bedanken. Die BLE übermittelt der FAO die Daten zu Bienenvölkern aus der DIB-Statistik. Eine nochmalige Überprüfung ergab, dass die Zahlen zu Bienenvölkern des DIB mit denen der FAO-Statistik seit dem Jahr 2008 übereinstimmen. Für die Jahre 2001 bis 2007 weist die FAO-Statistik Schätzwerte aus. Warum die FAO für diese Jahre Schätzwerte veröffentlicht hat, konnte nicht geklärt werden. Der DIB hat uns die Daten für die Jahre 2001 – 2007 nochmals übermittelt und wir werden diese umgehend an die FAO weiterleiten mit der Bitte, diese anstelle der Schätzzahlen für die Jahre 2001 – 2007 zu veröffentlichen.

Wenn das dereinst in die Datenbank eingetragen sein wird, werde ich also geholfen haben dass die Daten der Vereinten Nationen über Honigbienen ein klein wenig besser geworden sind.

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Warum sterben die Bienen? Neue Studie verbindet zentrale Faktoren

Es gibt eine Vielzahl von Studien, die versuchen den einen entscheidenden Faktor für den Rückgang an Wildbienen-Populationen ausfindig zu machen. Das, so argumentiert eine neu erschienene Studie (hier als PDF) einer Gruppe von Autoren um den englischen Biologien Dave Goulson, ist aber vielleicht ein Holzweg. Vielmehr sei es gerade das Zusammenspiel verschiedener Faktoren, die für den Rückgang der Artenvielfalt von Bestäubern verantwortlich zu machen seien. Auf Englisch sind die zentralen Punkte des Artikels nebst einem Interview schön zusammengefasst bei vox.com.

Nun sind Studien, die auf multifaktorielle Ursachen eines komplexen Geschehens verweisen, nicht selten ein umständlich formuliertes Eingeständnis dafür, dass man die tatsächlichen Faktoren eben noch nicht genau kennt. In diesem Fall jedoch sind die drei wesentlichen Probleme, die in Diskussionen über das Bienensterben immer wieder auftauchen, so kausal miteinander vekrnüpft worden, so dass ich geneigt bin das für eine ziemlich plausible Synthese zu halten.

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Bienensterben? Das sagen die FAO-Statistiken

Wenn ich an einem Infostand stehe, kommt unweigerlich früher oder später das Stichwort „Bienensterben“. Jede und jeder hat schonmal davon gehört, aber nicht immer scheint klar zu sein wo eigentlich wie viele Bienen und warum angeblich sterben. Ich habe mir mal die Mühe gemacht und in die amtlichen Statistiken der Food and Agriculture Organisation of the United Nations, kurz FAO, hineingeschaut.

Mit deren Online-Statistiktool kann man sich Daten zu zahlreichen landwirtscahftlich genutzten Tier- und Pflanzenarten herunterladen oder gleich grafisch anzeigen lassen, und das habe ich für Bienenvölker getan. Der Blick auf die Daten der in Rom ansässigen Organisation birgt einige Überraschungen. So hat sich die Zahl der imkerlich genutzten Bienenvölker weltweit deutlich erhöht. In dieser Grafik sind alle Daten von 1973 bis 2013 enthalten. Man sieht eine kleine Delle um 1990, als die Sowjetunion zerfiel, aber bis 2000 waren die Zahlen wieder auf dem alten Niveau und sind seither deutlich gestiegen. 2013 wurden 81,03 Millionen Bienenstöcke gemeldet, verglichen mit 70,71 Millionen im Jahr 2000 und 55,3 Millionen im Jahr 1973.

numberofbeehives-1973-2013-worldDa stellt sich die Frage: Warum reden alle Menschen übers Bienensterben? Offensichtlich haben wir kein weltweites Problem mit imkerlich gehaltenen Bienenvölkern, sondern vielleicht ein regionales?

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Wen schickt man auf riskante Raubzüge?

Die Antwort ist so kurz und trocken, wie Bienen manchmal sind: Die Kranken und Kurzlebigen! Das ist jedenfalls das Ergebnis einer kürzlich erschienen Studie in der Fachzeitschrift Apidologie. Die Forscher hatten untersucht, welchen Bienen in einem Stock die Aufgabe zufällt, riskante Raubzüge in andere Bienenvölker zu starten. Räuberbienen hatten unter identischen Laborbedingungen eine kürzere Lebenserwartung als normale Sammlerinnen. Dazu waren sie deutlich öfter mit Nosema-Sporen infiziert.

 

Honig, Veganismus und Peta

Die Tierschutzorganisation PETA, deren Arbeit ich grundsätzlich schätze auch wenn sie bisweilen übers Ziel hinausschießt, hat kürzlich einen ziemlich fragwürdigen Artikel gegen Honiggenuss und damit auch gegen die Imkerei veröffentlicht. Unter der Überschrift „8 Gründe, die verdeutlichen warum Honig nicht vegan ist“, argumentiert PETA einerseits stark verkürzt und andererseits schlicht falsch. Doch lest am besten zuerst einmal selbst.

Es geht darin um die Frage, ob man als Veganer/in Honig essen kann oder nicht. Laut PETA gehe das nicht, weil die Imker großes Leid unter den von ihnen betreuten Bienenvölkern verursachten. Bienen würden „in der Massenzucht gehalten und ausgebeutet“, man zwinge sie „in sogenannten Magazinen zu leben, die ihnen als künstlicher Bienenstock dienen“, verstümmelte die Königinnen, raube ihnen sämtlichen Honig und zerquetsche sie bei jeder Durchsicht massenhaft. Mit diesem Rundumschlag wirft PETA jedoch verschiedenste Haltungsformen (auf Imkerdeutsch „Betriebsweisen“) in einen Topf. Die Organisation differenziert nicht zwischen extensiver und intensiver Imkerei und missachtet Bemühungen im Rahmen von Verbänden wie Bioland oder Demeter. PETA verkennt damit nicht zuletzt die Rolle imkerlicher Betreuung für das Überleben der Honigbienen. Stattdessen solle man ein Wildbienenhotel bauen (was prinzipiell sinnvoll ist) und die Bienen Bienen sein lassen (was dramatisch wäre und die Zahl der Bienenvölker wegen der Varroa-Milbe um >95% dezimieren dürfte).

Dass ohne die Bestäubungsleistung der Bienen viel weniger Früchte und Nüsse sowie Gemüse in den Handel kämen, darüber denkt PETA nicht nach. Dass man als Freund der Bienen keine kalifornischen Mandeln essen sollte, deren Produktionsbedingungen in abschreckender Weise im Film „More Than Honey“ dargestellt werden, wird nicht erwähnt. Wer tier- und damit bestäuberfreundlich essen möchte, muss eben auf mehr achten als den tierischen Ursprung des Produktes selbst. Für Erdbeer-Plantagen werden beispielsweise Hummeln eingesetzt, deren Königinnen im zeitigen Frühjahr gefangen und dann in geeignete Kästen gesetzt werden. Letztlich müsste sich PETA fragen, wie denn die gewaltige Bestäubungsleistung erbracht werden soll, ohne dass Imker sich um Honigbienen kümmern und für diese Arbeit auch irgendwie entlohnt werden müssen. Ein Wildbienenhotel reicht dafür nämlich nicht aus, so sinnvoll es sein mag. Als Veganer/in muss ich sehr genau hinschauen, wie meine Lebensmittel produziert werden, zumindest wenn ich primär aus Tierschutz- und nicht aus Gesundheits- oder Lifestylegründen auf tierische Produkte verzichte.

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Virtueller Bienenstock

Einen Bienenstock betreuen, ohne gestochen zu werden? Ohne vor die Tür zu gehen? Und leider auch ohne Honig zu ernten? Das hat ein Team um den Wissenschaftler Matthais Becher von der University Exeter möglich gemacht. Mit BEEHAVE haben die Forscher das Computermodell eines Bienenstocks erstellt, in dem man die Entwicklung der Brut, die eingetragene Menge an Pollen und Nektar, den produzierten Honig und auch die Zahl von Varroa-Milben  beobachten kann. In einem kurzen Video (auf Englisch) stellen die Wissenschaftler ihr Modell vor.

In einem zeitgleich veröffentlichten Journal-Paper stellt das Team die Idee hinter dem Programm vor. Das Modell kann man auf der Webseite von BEEHAVE herunterladen und ausprobieren. Noch zusätzlich die Open Source-Software NetLogo dazu installieren, damit das Modell läuft, und schon kann es losgehen.

Das voreingestellte Tempo ist ziemlich schnell, so dass rasch ein paar Jahre vergehen können. Am Anfang startet man ohne Varroa-Milben, als ich die dazugeschaltet habe ging es mit meinen virtuellen Bienen ziemlich rapide den Bach runter. Zum Glück habe ich im letzten Moment noch den Knopf gefunden, mit dem man die Milbenbehandlung starten kann. Mit BEEHAVE sollen solche und andere Maßnahmen simuliert werden können, ohne gleich an echten Bienen herumzuexperimentieren. Dass die Wirklichkeit dabei nur grob abgebildet ist, sollte klar sein. Aber einen Blick wert ist es allemal.

Honiglehrgang 2013

Vorletztes Wochenende habe ich mir zwei Tage lang in der UFA-Fabrik angehört, wie man qualitativ hochwertigen Honig erntet, lagert, abfüllt und verkauft. Beim diesjährigen Honiglehrgang des Imkerverbandes Berlin hat Einar Etzold vom Bieneninstitut Hohen Neuendorf den Referenten gegeben. Wer sich bereits vorher durch die eingängige Literatur gelesen und bei einem erfahrenen Imker eine Honigernte mitgemacht hat, hätte den Stoff wahrscheinlich auch gut in einem Tag durchgehen können. Andererseits war es sinnvoll, einmal grundlegend die gute Praxis des Umgangs mit Honig zu erlernen. Gelangweit habe ich mich an den zwei Tagen jedenfalls nicht, insofern kann ich den Lehrgang durchaus empfehlen.

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